Allgemeines zur Osteopathie

Was ist Osteopathie?
Die osteopathische Medizin befasst sich mit der Erkennung und Behandlung von Funktionsstörungen des Bindegewebes. Bindegewebe hat einen gemeinsamen embryologischen Ursprung und entwickelt sich dann weiter unter anderem zu
  • Knochen, Knorpel, Muskeln, Sehnen, Faszien, sowie
  • Blut, Lymphe (einschließlich Immunsystem), aber auch
  • bindegewebigen Anteil des Nervensystemes, Hirmwasser (Liquor cerebro-spinalis) und
  • bindegewebigen Teil der Organe, so z.B. auf Ebene des Magen-Darmtraktes (hierzu gehören auch die Atemwege), Uro-Genitaltraktes und den tieferen Schichten der Haut.
Daran wird schnell deutlich, dass die Osteopathie nicht in „künstlichen“ Unterteilungen denkt und arbeitet, sondern die Ganzheitlichkeit im Vordergrund steht, da das Bindegewebe in seinen unterschiedlichen Ausprägungen im ganzen physischen Körper präsent ist.

Diagnose und Therapie erfolgen mit spezifischen
osteopathischen Methoden, die mit den Händen ausgeführt werden; kurz: „Osteopathie arbeitet mit Hand und Verstand“.

Die Anwendung der Osteopathie setzt genaueste Kenntnisse der Anatomie und Physiologie voraus.

Zu den Grundlagen der osteopathischen Arbeit zählen
  • die untrennbare Einheit des Menschen aus Körper, Geist und Seele,
  • eine Abhängigkeit von Form, Funktion und Struktur - ein Leben lang und
  • die Selbstheilungskräfte, die in jedem lebendigen Organismus anwesend sind.

Wann hilft Osteopathie?

Aus rechtlichen Gründen wird darauf hingewiesen, dass in der Benennung der beispielhaft aufgeführten Anwendungsgebiete selbstverständlich kein Heilversprechen oder die Garantie einer Linderung oder Verbesserung aufgeführter Krankheitszustände liegen kann. Die Anwendungsgebiete beruhen auf Erkenntnissen und Erfahrungen in der hier vorgestellten Therapierichtung (Osteopathie) selbst. Nicht  für jeden Bereich besteht eine relevante Anzahl von gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen, d.h. evidenzbasierten Studien, die die Wirkung bzw. therapeutische Wirksamkeit belegen.

Bei zahlreichen Beschwerden und Krankheiten innerhalb des Bewegungsapparates, der Organsysteme und des Nervensystemes. Die osteopathische Betrachtung ist allerdings nicht in oben genannte Systeme unterteilbar. Deshalb habe ich diese Aufteilung nur zum besseren Verständnis gewählt.

Osteopathie kann bei allen Funktionsstörungen des Körpers angewendet werden. Selbst wenn diese schon längere Zeit bestehen. Altersbeschränkungen gibt es also nicht. Beispielsweise können die Ursachen von Symptomen wie
  • chronische Verspannungen,
  • Zustand nach Verletzungen und Unfallfolgen,
  • Überlastungen des Bewegungsapparates mit dazugehörigen Knochen, Gelenken, Muskeln und Sehnen, Bandscheiben- problemen, Hexenschuss behandelt werden.
  • Symptome des Kopfes wie chronische Kopfschmerzen, chronische Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung), bestimmte Formen von Schwindel, Kiefergelenkprobleme, Knirschen, chronische Mittelohrentzündung oder Tinnitus.
  • Behandelt werden auch chronische Verdauungsprobleme, Inkontinenz und menstruelle Beschwerden.
  • Interessant ist auch der Einsatz bei psycho-emotionalen Störungen oder senso-motorischen Auffälligkeiten, so z.B. Konzentrations-, Koordinations- , Wahrnehmungsstörungen oder Hyperaktivität.

Gerade die Behandlung von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen mit Problemen, die auf geburtliche oder spätere physische (körperliche) oder psycho-emotionale Traumata zurückgehen, zählen zu den typischen Aufgaben der osteopathischen Medizin.
Näheres hierzu erfahren Sie auch unter
  • „Osteopathie für Säuglinge“,
  • „Osteopathie für Kinder“ und
  • „Osteopathie für Jugendliche“.

Eine osteopathische Behandlung ist sehr tiefgreifend. In manchen Fällen reicht schon eine Behandlung. Bei schwierigen und "alten" Problemen ist eher ein längerer Behandlungszeitraum zu erwarten.

Soweit erforderlich, arbeitet die Osteopathie selbstverständlich mit anderen medizinischen Fachrichtungen und Therapeuten zusammen.


Wie funktioniert Osteopathie?
Ausdruck des „Lebendigseins“ ist unter anderem ständige Bewegung und verschiedenste Rhythmik im Körper. Hierzu zählen beispielsweise
  • der pulsierende Blutstrom,
  • die Atembewegung,
  • die unwillkürliche Aktivität unserer Verdauungsorgane,
  • die Bewegungen der Muskulatur, Sehnen, Gelenke oder
  • die verschiedenen Organe mit ihren eigenen Grundrhythmen.
  • Dazu gehört auch die Fluktuation langsamer Körperflüssigkeiten, die immerhin etwa 70 bis 80% unseres Körpers ausmachen.
Ein Großteil dieser Mobilität ist uns selten oder garnicht bewusst.
Wird in einem bestimmten Körperabschnitt durch innere oder äußere Einflüsse das Ausmaß an Funktion eingeschränkt, zeigt sich dies in einer veränderten „Beweglichkeit“. Häufig signalisiert uns der Körper eine Funktionsstörung nicht unmittelbar durch Schmerzen oder andere Beschwerden. Er ist sehr anpassungsfähig und kann vieles ausgleichen (kompensieren). Zum Beispiel Fehlhaltungen, Fehlbelastungen von Beingelenken oder Wirbelsäule oder Zustände nach Verletzungen oder Krankheiten können über lange Zeit ausgeglichen werden.
Dabei wird die eingeschränkte Funktion von anderen Körperstrukturen oder Körperabschnitten übernommen. So "verlagern" sich Funktionsstörungen im Laufe der Zeit und wirken sich auf andere Bereiche des Körpers aus und machen so fernab der eigentlichen Ursache Beschwerden.

Ist die Ausgleichsfähigkeit des Körpers erschöpft, dann genügt häufig schon ein kleiner physischer oder psychischer Einfluss, um unverhältnismäßig starke Reaktionen hervorzurufen. Diese können dann an einer ganz anderen Stelle im Körper auftreten. So kann beispielsweise ein Luftzug oder eine unglückliche Bewegung einen Hexenschuss provozieren. Oft liegt also die "Lösung" für Beschwerden nicht dort, wo wir Schmerzen empfinden. Spätestens hier setzt die Osteopathie ein. Mit feinfühligen und geschulten Händen können diese Funktionsstörungen gefunden werden, die sich in Form eines veränderten Ausdruckes an Bewegung / Funktion und Gewebetextur zeigen. Indem diese Änderungen sanft beeinflusst und gelöst werden, hilft man dem Körper, Funktions-störungen zu beheben. Die Osteopathie leistet somit Hilfe zur Selbstheilung, denn durch die wiederhergestellte Funktion befreit und unterstützt sie die Selbstheilungskräfte, die so der gestörten Struktur zu ihrer normalen Funktion zurückverhilft.

Durch genauester Kenntnisse der Anatomie und Physiologie des Menschen, sowie den osteopathischen Möglichkeiten lassen sich Störungen und deren Ursachen zuordnen und mit einer sehr breiten Auswahl an osteopathischen Verfahrensweisen ist eine nachhaltige Behandlung möglich.


Osteopathie damals und heute:
Der amerikanische Arzt Andrew Taylor Still (1828 – 1917) begründete vor über 125 Jahren die Osteopathie. Er reagierte damit auf den Mangel an Kenntnissen der damaligen Schulmedizin. Machtlos hatte er als Arzt mit ansehen müssen, wie seine erste Frau und vier seiner Kinder an Krankheiten starben. Deshalb suchte Still nach einem neuen Verständnis von Gesundheit, von Krankheit, vom menschlichen Körper und von dem, was Medizin sein sollte. Seine grundlegenden Einsichten bilden bis heute das Fundament der osteopathischen Medizin. Die Betrachtung des Organismus als Einheit, die Bedeutung der lebensnotwendigen Mobilität aller Gewebe und Flüssigkeiten im Körper, seine Fähigkeit zur Selbstregulierung und der enge Zusammenhang von Form, Funktion und Struktur.

Seit Stills Zeit hat sich die osteopathische Medizin rasant weiterentwickelt und ist um wesentliche Bereiche ergänzt worden. Anfang des 20. Jahrhunderts war es Wiliam Garner Sutherland D.O., der die kranio-sakrale Osteopathie begründete. Später erreichte die Osteopathie Europa; zuerst England, später Frankreich. Hier entwickelte sich das osteopathische Konzept von Diagnostik und Behandlung innerer Organe, die sogenannte „viscerale Osteopathie“ oder „Organosteopathie“.

Die folgenden 3 Teilbereiche der Osteopathie müssen in Diagnostik und Behandlung jedoch als eine Einheit betrachtet und angewendet werden. Zum besseren Verständnis gibt es eine Unterteilung in
  • „parietale Osteopathie“ (sich auf den Bewegungsapparat beziehend),
  • „viscerale Osteopathie“ (sich auf die Organe beziehend) und
  • kranio-sakrale Osteopathie“ (sich auf das sehr wichtige Körpergebiet von Becken, Wirbelsäule, Schädel und Nervensystem beziehend)
Eine effektive Behandlung bezieht selbstverständlich ale Aspekte ein.

Osteopathie in Deutschland
Seit Ende der achtziger Jahre haben sich in Deutschland zahlreiche internationale Colleges niedergelassen oder neu gegründet, die Therapeuten, Ärzte und Heilpraktiker zu Osteopathen ausbilden. Seit 1998 wird auch ein Vollzeitstudium für Abiturienten angeboten. Die im Verband der
Osteopathen Deutschlands e.V. (VOD) mit Sitz in Wiesbaden vereinigten Colleges gewährleisten ein Studium nach international gültiger Ausbildungsordnung. Im Internet finden Sie den VOD unter www.vod.de.


Achtung!
Viele Physiotherapeuten und auch Ärzte besuchen sogenannte Osteopathie-Crashkurse und nennen sich dann „Osteopathen“, nennen ihr Handeln „Osteopathie“ oder führen „Osteopathie“ auf ihrem Praxisschild als Leistung auf.

Wichtige Merkmale zur Erkennung qualifiziert arbeitender Osteopathen:
  • Mindestens 4-jähriges Osteopathiestudium
  • Behandlungszeit liegt etwa zwischen 40 bis 60 Minuten
  • osteopathische Behandlungen umfassen stets die oben beschriebenen „parietalen“, „visceralen“ und „kranio-sakralen“ Aspekte;
  • die Behandlung ist nicht auf chiropraktische Vorgehensweisen ausgerichtet.